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LPF-Merkblatt für Eltern von blinden und sehbehinderten Kindern

 

1. Notwendigkeit der Vermittlung von Lebenspraktischen Fähigkeiten (LPF) für Ihr Kind

Die Notwendigkeit bei geburtsblinden oder -hochgradig sehbehinderten Menschen, Lebenspraktische Fähigkeiten gezielt zu erlernen, ist eine direkte Folge der Behinderung. Wenn das Sehen nicht ausreicht, um Bewegungen zu beobachten, sie  nachzuahmen und sie sich praktisch "automatisch" anzueignen, muss das sehbeeinträchtigte Kind eine gezielte altersentsprechende Schulung in blinden- bzw.  sehbehindertenspezifischen Strategien und Fähigkeiten erhalten, um es in die Lage zu versetzen, seinen Alltag möglichst autonom, selbstständig und selbst bestimmt meistern zu können.

 

2. Die Vermittlung von LPF ist ein wichtiger Bildungsauftrag der Blinden- und Sehbehinderteneinrichtungen.

In der Praxis wird ein entsprechendes Schulungsangebot aber häufig noch nicht in einem ausreichenden Maß gemacht. Stattdessen wird oft lediglich auf die Vermittlung von LPF als „fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip" verwiesen. Das kann dazu führen, dass ein blindes oder sehbehindertes Kind - ohne zusätzliche Behinderung - jahrelang ein Förder- bzw. Bildungszentrum für blinde und sehbehinderte Schüler besucht und weil es eben keinen rechtzeitigen Unterricht zum Erwerb Lebenspraktischer Fähigkeiten erhalten hat, das Zentrum mit einem erheblichen Nachholbedarf verlässt. Die Schwierigkeiten, die dann auftreten, wenn man mit seinem Alltag nicht zu Recht kommt, wandeln die einzelne Behinderung (d.h. Blindheit oder Sehbehinderung) in eine mehrfache Behinderung um. Dies kann zu einem erhöhten Pflegebedarf führen, der auch bei einem späteren LPF- Unterricht nicht völlig zu beheben sein wird.

 

Einrichtungen, die diese Förderung noch nicht anbieten, müssen verpflichtet werden, diesem Bildungsauftrag verantwortungsvoll nachzukommen. Ihr Kind hat ein Recht auf eine qualifizierte blinden- bzw. sehbehindertenspezifische Vermittlung von LPF.

Eltern sollten darauf bestehen,

-           dass der Bedarf im Bereich LPF für ihr Kind individuell abgeklärt und im Förderplan benannt und berücksichtigt wird;

-           dass ihr Kind eine qualifizierte blinden- bzw. sehbehindertenspezifische Vermittlung in LPF erhält - und zwar eine, die in Art und Umfang auf seine individuellen Fördernotwendigkeiten gezielt eingeht;

-           dass genügend qualifizierte Lehrkräfte für die Vermittlung LPF von den Förder- bzw. Bildungszentren mit dem Schwerpunkt Sehen gestellt und im Stellenschlüssel fest verankert werden und

-           dass die Vermittlung von LPF praktisch in allen Altersstufen angeboten wird, um den entwicklungsbegleitenden Anspruch zu erfüllen.

 

3. Welche Möglichkeiten für eine LPF Maßnahme steht Ihrem Kind zur Verfügung?

Sollte Ihr Kind eine Förderschule für Blinde und Sehbehinderte besuchen, dann vergewissern Sie sich, dass es Vorort eine qualifizierte Vermittlung in LPF, die seinem persönlichen Bedarf entspricht, bekommt. Ansonsten

-         können Sie ihr Kind zu einer zweiwöchigen LPF- Intensivmaßnahme vom Institut für Rehabilitation und Integration Sehgeschädigter (IRIS) e.V. anmelden (www.iris-hamburg.org, info@iris-hamburg.org).

-         Sollten Sie in Nordrheinwestfalen wohnen, können Sie ihr Kind zur jährlichen im Frühjahr stattfindenden LPF-Intensivmaßnahme des Kurshauses der von-Vincke-Schule in Soest anmelden. (Kurshaus@lwl.org)

-         Sollte Ihr Kind in Baden-Württemberg integriert beschult werden, können Sie es zur jährlichen im Frühjahr stattfindenden LPF-Intensivmaßnahme des BLUBS der Schloss Schule Ilvesheim anmelden (Sehwerk: www.sehwerk.net, info@sehwerk.com)

-         Ebenfalls können Sie sich an einem qualifizierten Rehabilitationslehrer (mit der LPF-Qualifikation) in ihrer Nähe wenden, damit Ihr Kind zu Hause eine LPF- Schulung erhält. (www.rehalehrer.de ).

 

4. Rechtliche Grundlagen für die Finanzierung einer LPF-Schulung

Für eine Schulung in LPF gibt es - anders als im Falle von Mobilitätstraining - keinen Rechtsanspruch gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen. Auch gegen den Schulträger können Sie in der Regel keinen individuellen Anspruch durchsetzen.

Als "Hauptleistungsträger" kommt für eine Schulung in LPF somit fast ausschließlich der Sozialhilfeträger durch die Gewährung von Eingliederungshilfe gem. §§ 53, 54 SGB XII in Betracht. Voraussetzung für die Gewährung von Eingliederungshilfeleistungen ist grundsätzlich, dass ein ggf. bestehender Bedarf für eine Eingliederungsmaßnahme nicht bereits anderweitig gedeckt wird, z. B. durch ein ausreichendes Angebot in der Schule. Oftmals wird durch die Sozialhilfeträger versucht, Anträge auf eine Schulung in LPF als Leistung zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft einzustufen, weil eine solche Zuordnung zur Folge hat, dass die Einkommens- und Vermögensverhältnisse (auch der Eltern im Falle minderjähriger Schüler) überprüft und berücksichtigt werden. Da die maßgeblichen Einkommens- und Vermögensgrenzen sehr niedrig angesetzt sind, erhalten bei einer derartigen Einordnung des LPF-Trainings nur wenige Schüler eine finanzielle Unterstützung.

 

Allerdings bestätigt die Rechtssprechung (vgl. etwa SG Düsseldorf, Urteil vom 12.09.2008, AZ.: S 22 (29) SO 7/07, SG Detmold, Urteil vom 21.07.2009, AZ: S 2 SO 46/09),  dass eine Schulung in  LPF als Hilfe zu einer angemessenen Schulbildung gem. § 54 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB XII in Verbindung mit § 12 der einschlägigen Eingliederungshilfeverordnung zu übernehmen sei. Das bedeutet, dass das Sozialamt - sofern die Schule die Vermittlung von LPF nicht erbringt - schulpflichtigen blinden und sehbehinderten Kindern und Jugendlichen eine LPF-Schulung in der Regel zu übernehmen hat. Bei Hilfen zu einer angemessenen Schulbildung ist gem. § 92 Abs. 2 Nr. 2 SGB XII eine finanzielle Beteiligung des Schülers und ggf. seiner Eltern grundsätzlich nicht vorgesehen und bei stationären oder teilstationären Maßnahmen (das sind auch die Intensivkurse) auf die Höhe der sog. häuslichen Ersparnis begrenzt.

 

In Artikel 24 der in Deutschland am 26.03.2009 in Kraft getretenen UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen wird der Erwerb lebenspraktischer Fähigkeiten ausdrücklich eingefordert, um behinderten Menschen die volle und gleiche Teilhabe am Bildungssystem und als Mitglieder in der Gemeinschaft zu erleichtern. Zwar kann man aus der Behindertenrechtskonvention als Einzelner keine direkten Ansprüche ableiten, doch sind die Zielsetzungen der Konvention bei der Auslegung der Vorschriften der Eingliederungshilfe in Hinblick auf den Umfang der Hilfe zu einer angemessenen Schulbildung heranzuziehen und dies dürfte die Rechtsposition der betroffenen Schüler stärken. Das bedeutet, dass die Bestimmung des Umfangs der Hilfen zu einer angemessenen Schulbildung nicht so eng auszulegen sein dürfte, wie dies aktuell häufig noch geschieht.

 

Dem ungeachtet wird eine Bewilligung für eine LPF-Schulung als schulfördernde Maßnahme nicht immer ausgesprochen. Um Ihnen bei der Durchsetzung Ihres Rechts zu helfen, steht Ihnen die Rechtsberatungsgesellschaft "Rechte behinderter Menschen" gGmbH zur Seite. Die RBM ist eine gemeinsame Einrichtung vom DBSV (Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband) und DVBS (Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf). Die Rechtsberatung wird ausschließlich von blinden und sehbehinderten Juristen durchgeführt, die über ein spezielles Know-how in behindertenrechtlichen Fragen verfügen. Für Mitglieder der DBSV-Landesvereine und des DVBS ist die Dienstleistung kostenfrei. Kontakt: Dr. Michael Richter, Christiane Möller, Tel.: 0 64 21 / 948 44 90, E-Mail: kontakt@rbm-rechtsberatung.de ).



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